Bist du vegan unterwegs oder möchtest mehr pflanzliche Lebensmittel in deine Ernährung einbeziehen? Hast du Bedenken, dass das auf Reisen im Ausland nicht so einfach ist? Oder standest du schon selbst vor Problemen auf deinen Reisen? Vegan reisen kann einen vor manche Herausforderungen stellen. Ich habe mit der Zeit gute Lösungen für mich gefunden und teile meine Erfahrungen gerne mit dir. Lass mich in den Kommentaren wissen, wie du mit dem Thema bisher umgegangen bist!

Ist vegan reisen lästig?

Andere Leute sind selten erfreut, wenn sie erfahren, sie sind mit einem Veganer unterwegs. Sie denken direkt, die Essenssuche würde sich dadurch dramatisch verkomplizieren und am Ende sitzen sie nur vor einem Salat. Aber so muss es ganz und gar nicht sein! Ich bin tatsächlich ziemlich simpel, wenn es ums Essen geht und gebe mich mit wenig zufrieden. Die Basics und etwas Frisches dazu findest du eigentlich überall. Natürlich gibt es Länderunterschiede je nach Esskultur, doch verhungern wirst du nirgendwo, nur weil du dich vegan ernährst. Ich finde es manchmal sogar bereichernd, vegan zu sein auf Reisen. Man muss nicht alles annehmen, was einem angedreht wird und kann das mit seiner Ernährungsweise entschuldigen, ohne unfreundlich zu sein. Zeitgleich erweiterst du deine Speisekarte um neue Experimente, wenn du behelfsmäßig versuchst, dir eine Mahlzeit mit unbekannten Lebensmitteln zusammenzustellen. Von beiden Seiten kann es durchaus gewinnbringend sein!

Vegan reisen in verschiedenen Ländern

In manchen Ländern ist es einfacher, sich vegan zu ernähren als in anderen. Die Kulinarik der verschiedenen Länder spielt eine wichtige Rolle. In Indien stößt du auf eine große vegetarische Bevölkerung, während in Mexiko und Brasilien Fleisch und Milchprodukte auf Platz 1 stehen. Auch Deutschland konsumiert mehr Fleisch und verwendet gerne Milchprodukte beim Kochen. Die typisch deutsche Küche ist daher keiner meiner Favoriten. Seit ich vegan bin, bevorzuge ich vielmehr andere Küchen, die ich vorher nicht oft probiert habe. Mein Nahrungsangebot hat sich dadurch erweitert und ich habe viel mehr Geschmäcker zu meinem Repertoire hinzugefügt. Veganismus muss nicht langweilig und einfältig sein. Es kommt darauf an, was du daraus machst!

Gedeckter Tisch mit veganem Sushi Rollen und Saucen
Früher habe ich Sushi gar nicht gemocht, heute mache ich es selbst in vegan auf der ganzen Welt

In den letzten Jahren ist das Angebot an veganen Lebensmitteln bei uns drastisch gestiegen und mittlerweile kann der Großteil etwas mit dem Begriff anfangen. Auf anderen Kontinenten ist das nicht immer der Fall. Auf meinen Reisen in Lateinamerika musste ich häufig erklären, wie ich mich ernähre und beim Bestellen sichergehen, dass mir nicht nur vegetarisch aufgetischt wird. Wenn du die Menschen freundlich aufklärst, kann es auch für sie eine Bereicherung sein, auch wenn ich öfter wegen meiner Ernährungsweise belächelt wurde. Denn gerade in ärmeren Ländern ist Fleisch ein Prestigemerkmal. Wer es sich leisten kann, ist gut aufgestellt. Dass ich freiwillig darauf verzichte, findet nicht bei allen Verständnis. Aber das muss es auch gar nicht.

Vegan reisen in den USA und Kanada

Bei der Esskultur Nordamerikas denkst du sicherlich zuerst an Fast-Food – zu guter Recht. Am häufigsten findest du Burger, Pizza, Pommes und Steaks in den USA und Kanada. Für einen Veganer nicht immer das tollste Angebot, aber auch grundsätzlich nicht. Ich habe mich nie gerne von Fast-Food ernährt, da es mir nicht nahrhaft genug ist und ich mich danach einfach nicht gut fühle. Ich habe schon immer lieber etwas Frisches gemocht, das mir wirkliche Energie gibt. Von daher fand ich es in Amerika nicht schwierig, die beliebten Ketten zu meiden.

Die USA und Kanada sind ohnehin sehr multikulturell und bieten viel internationale Küche. An den Straßenecken findest du viele asiatische Restaurants, in denen die vegetarische/vegane Auswahl um einiges besser ist. Ein anderer Vorteil ist, dass die Supermärkte riesig sind und ein gutes Angebot haben. Vegane Lebensmittel zur Eigenversorgung findest du zur Genüge. Besonders bei längeren Aufenthalten versorge ich mich am liebsten selbst mit Produkten von Supermärkten und lokalen Märkten für saisonales Obst und Gemüse.

Mexikanisches Essen mit Reis, Bohnen und Gemüse
Ganz unerwartet im ländlichen Austintown in den USA gab es bestes veganes Essen beim Mexikaner „Los Girasoles“

Vegan reisen in Mexiko

Die Mexikaner lieben Fleisch und Käse, ganz klar. Doch Reis, Bohnen und Avocado dürfen auch nie fehlen. Wie gemacht für die vegane Ernährung: lecker, proteinreich und nahrhaft. Was will man mehr? Klar, ganz viel frisches exotisches Obst und Gemüse, zu kleinen Preisen und mit vollem Geschmack. Das hört sich für mich durchaus besser an als in Deutschland, wo nach Äpfeln und Kartoffeln nicht viel ganzjährige Auswahl bleibt. Natürlich bekommst du bei uns noch Erdbeeren im Winter und große Wassermelonen im Sommer, doch abgesehen vom umweltlichen Aspekt sind die total überteuert und schmecken oft nach nichts. Das wird dir in Mexiko nicht passieren.

Obst- und Gemüseeinkauf in Brasilien
Ausbeute vom Markt (in Brasilien, umgerechnet in $Reais) – in Deutschland gibt es dafür gerade mal eine Ananas und Mango

Wenn du dich nicht immer selbst versorgen möchtest, empfehle ich dir offen und freundlich auf die Leute zuzugehen. Versuche dein Glück beim Straßenimbiss, im kleinen Familienrestaurant oder bei einer großen Restaurantkette. Sofern du nicht in einer ausschließlichen Metzgerei landest, solltest du in den meisten Fällen etwas auf den Teller bekommen. Ich kann meistens schon von außen beurteilen, ob ich ein Lokal betrete oder lieber weitergehe. Wird nur Fleisch angepriesen und in den Theken ist keinerlei Gemüse zu sehen, schlendere ich weiter. Doch auch wenn die Speisekarte nicht direkt vegetarische/vegane Speisen zeigt, frage ich gerne nach. Gerade bei kleineren Lokalen werden die Köche und Mitarbeiter gerne kreativ und stellen dir einen schönen Teller zusammen. Zwar verstehen sie nicht immer, wie du dir „das Beste“ entgehen lassen kannst, doch das ist dann nicht mehr dein Problem.

Mexikanische Chilaquiles in veganer Version
In einem kleinen Straßenlokal in Oaxaca hat mir die Besitzerin „Chilaquiles“ in vegan umgewandelt und dafür viel Gemüse aufgeladen

Vegan reisen in Brasilien

Die Brasilianer lieben Fleisch, und am liebsten ganz viel. Doch die Multikulturalität ist in Brasilien noch mehr zu spüren. Bereits in Supermärkten in kleinen Orten findest du asiatische Lebensmittel und exotisches Obst und Gemüse. Das macht es einfach, sich abwechslungsreich selbst zu versorgen und neue Geschmäcker auszuprobieren. In den Großstädten findest du dieses Angebot auch bei Restaurants. Besonders in Metropolen wie Rio de Janeiro gibt es eine riesige Auswahl an internationalen Restaurants. Kaum ein Land ist nicht vertreten. Dadurch nimmt auch das Angebot an veganen Speisen oder gar veganen Restaurants zu. Nur in den beliebten Frühstückslokalen wird es schwieriger, da das meiste Gebäck mit Käse belegt oder eingebacken ist. Eine gute Option ist immer ein erfrischendes Açaí, das es wirklich an jeder Straßenecke mindestens zwei Mal gibt.

Libanesisches Essen und frischer Saft beim vegan reisen
Kulinarische Vielfalt in Rio de Janeiro: bestes libanesisches Essen mit veganen Optionen

Herausforderungen, wenn du vegan reist

Die Grundnahrungsmittel findest du zwar überall, doch gute Snacks zu finden, kann manchmal schwieriger sein. Ich greife am liebsten zu Nüssen und Trockenfrüchten, auch wenn diese oft teurer sein können. Doch dafür geben sie mir die nötige Energie und sind gut für den Hunger zwischendurch. Als Tagesproviant nehme ich auch gerne frisches Obst mit, das robust ist und Hitze standhält.

Beim Reisen willst du eine andere Kultur kennenlernen und damit auch ihre Esskultur. Wenn du dich vegan ernährst, mag das schwieriger sein, da typische Gerichte oft nicht ganz vegan sind. Das mag zu einem inneren Konflikt führen oder auf Unverständnis der Einheimischen oder deines Reisepartners treffen. Solange du dir im Klaren bist, weshalb du die Angebote ablehnst, solltest du ein reines Gewissen haben. Ich persönlich empfinde es manchmal sogar als Segen, wenn ich eine Spezialität oder Mengen an Süßem höflich ablehnen kann und mich nicht durch alles durchprobieren muss. Das heißt nicht, dass ich nicht experimentierfreudig bin. Ich koche mein Essen nur lieber selbst und kreiere so neue Rezepte mit anfangs unbekannten Lebensmitteln. Wenn du auf dem Markt einkaufen gehst, frag ruhig interessiert die Einheimischen wie sie gewisses Gemüse zubereiten und nimm dir ein paar Tipps mit. So erweiterst du auch deine eigene Ernährungsweise.

Vegan reisen und brasilianische Moqueca probieren
Das Nationalgericht Brasiliens „Moqueca“ in seiner veganen Version (ich konnte 3 Tage davon essen)

Wie kommuniziere ich meine vegane Ernährung?

Herausfordernd kann bei dem Ganzen die Kommunikation sein. Sofern du die Landessprache nicht beherrscht und die Locals nicht gut Englisch sprechen, wird es schwieriger. Es ist essenziell, dass du erfährst, woraus dein Essen besteht und dass dein Gegenüber weiß, was du nicht konsumierst. Am besten lernst du dazu die wichtigsten Begriffe, wie Fleisch, Milch, Käse, Butter, Eier, etc. sowie wichtige Wörter wie mit, ohne, kein. Ansonsten kannst du dir immer noch mit einem Übersetzer oder Wörterbuch helfen und die Speisekarte im Restaurant übersetzen. Mit grundlegenden Sprachkenntnissen wird es dir aber um einiges leichter fallen.

Ich bin allerdings häufig dafür, nicht immer direkt an den großen Nagel zu hängen, dass ich Veganerin bin. Denn das stößt oft auf negative Gefühle und ich werde nur noch darauf reduziert. Sofern die Situation es nicht unausweichlich macht, gebe ich die Information nicht preis. Du sagst schließlich auch nicht beim ersten Kennenlernen, dass du laktoseintolerant bist, kein Gluten verträgst oder unter Diabetes leidest. Das ist gar nicht notwendig. Es wird erst entscheidend, wenn du sichergehen möchtest, ob du etwas essen kannst oder wenn du die Gastfreundschaft in Frage stellst, falls du eine angebotene Speise ablehnst. In dem Fall solltest du eine kurze Erklärung liefern, um deinem Gegenüber Respekt zu erweisen.

Fazit zum Vegan Reisen

Vegan reisen und selbst kochen an der Küste Mexikos
Ein idyllisches Abendessen beim Sonnenuntergang in Salinas del Marques, Mexiko

Vegan Reisen mag auf den ersten Blick nach einer großen Herausforderung klingen, doch letztendlich wirst du in den meisten Fällen genügend Optionen haben. Eine vegane Ernährung bringt gewisse Vorteile mit sich, die sich auch auf Reisen zeigen. Es ist verständlich, dass du dir Gedanken machst, ob du dich im Ausland weiterhin vegan ernähren kannst, doch lasse dich davon nicht abschrecken. Gehe offen an die Sache ran und versuche dir freundlich deinen Weg durch die kulinarische Landschaft zu bahnen. Achte dabei darauf, Unkenntnis nett zu empfangen und die Leute zu informieren, anstatt zu missionieren. Wer noch nie von Veganismus gehört hat, wird nach deinem Besuch etwas gelernt haben. Doch am besten im positiven Sinne, ohne dass negative Gefühle haften bleiben.

Hast du Lust, zwischendurch selbst zu kochen, aber dir fehlt Inspiration. Ich habe dir 5 schnelle vegane Rezepte zusammengestellt, die sich prima fürs Reisen eignen. Du kannst sie ganz nach deinem Geschmack und Reiseland abändern und so auf der ganzen Welt genießen. Lass es dir schmecken!

Welche Erfahrungen hast du bisher auf Reisen gemacht? Wo warst du schon unterwegs und konntest dich vegan ernähren? Standest du schon vor größeren Hindernissen und hast etwas dazugelernt? Teile deine Erfahrungen gerne in den Kommentaren oder lass mich wissen, wozu du noch mehr erfahren möchtest. Austausch ist das beste Mittel, um sich und andere weiterzubilden!

Vielleicht interessiert dich auch:

2 Kommentare

  1. This is so interesting! I am not a vegan myself, but am really glad I read this post. Your words brought light to the difficulties and challenges that can arise with any dietary restriction. I love your tip on the importance of communication and the benefits of learning all key terms you’ll need to stay away from when dining… I agree this would be much easier then looking them up to translate every time!

    Your advice to stay positive and friendly during any form of backlash is refreshing. Instead of arguing, taking an informative approach really shows passion and self-respect for your personal dietary choices.

    Looking forward to reading more

    1. Thank you so much for your feedback, Alana! I am happy that you found interest in the topic of veganism. We can all just learn from and with each other!
      Stay tuned for more related posts

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert